Shampoo Haarseife (1. Teil) - Warum Haare mit Seife waschen?

Kein Thema wird aktuell so häufig von unseren Kunden angesprochen wie das Thema „Haarseife“ und speziell „wie wasche ich meine Haare mit Seife“.
 
Die Haarwäsche mit natürlicher Seife ist zwar kein Wundermittel für jedes Haar- und Kopfhautproblem, jedoch die beste Weise seine Haare natürlich, effizient, schonend, plastikfrei und ökologisch zu reinigen.
 
Was ist möglich?
- Platte und kraftlose Haare werden befreit und erhalten mehr Schwung
- Trockene, spröde und leicht fliegende Haare werden sanft gepflegt für mehr Elastizität
- Stumpfe Haare werden nach und nach repariert und finden zu ihrem Glanz zurück
- Locken und Naturwellen werden definiert und bekommen mehr Sprungkraft
- Die üblichen Kopfhautprobleme wie Juckreiz, Schuppen und Spannungsgefühl können durch die schonendere Haarwäsche reguliert werden
- Und selbst fettige Kopfhaut erhält die Chance sich wieder zu normalisieren da sie nicht so stark entfettet und ausgelaugt wird wie bei herkömmlichen Shampoos
 
Was ist nicht möglich?
Manche geschädigte Haarstruktur ist jahrelang durch Silikone und Filmbilder so gründlich gekittet worden, dass bei der Haarwäsche mit natürlicher Shampoo Haarseife nach und nach diese Schäden „freigelegt werden“. Haarseife kann Haarschäden nur bis zu einem gewissen Grad reparieren, da sie den Haarschaft nicht mit Silikon oder künstlichen Filmen kittet, überlagert oder zuschichtet. Hier hilft oft nur noch die Schere. 
 
Was ist der Unterschied zum herkömmlichen Shampoo?
Herkömmliche Shampoos aus synthetischen Tensiden wie Sodium Lauryl Sulfat (SLS), Sodium Laureth Sulfat (SLES) und Tensiden aus Kokosöl enthalten fast immer Silikon, Filmbildner, Mikroplastik, Verdickungsmittel, Konsistenzgeber, Gelbildner und Emulgatoren. Viele Shampoos die laut den Inhaltsstoffen auf der Verpackung auf Silikon verzichten enthalten stattdessen spezielle Kunststoffe (Mikroplastik) wie Polyquaternium, Polyvinylpyrrolidone/PVP, Polyacrylate, Polymere und Dimethylaminoethyl Methacrylate Copolymere die denselben filmbildenden Effekt haben und Haar und Kopfhaut zukleistern. 
ACHTUNG: Synthetische Tenside wie SLS und SLES sind nicht nur in den herkömmlichen flüssigen Shampoos enthalten, sondern "verstecken" sich auch in festen Shampoo Bars und manchen Haarseifen.
 
Für die Meisten ist das Wechseln von herkömmlichen Shampoos auf natürliche Haarseife supereasy und unkompliziert. In manchen Fällen kann es jedoch eine gewisse Zeit dauern bis man sich umgewöhnt. 
 
Warum mit Seife Haare waschen?
Anders als die pH-neutralen und pH-hautneutralen Shampoos reinigt natürliche Pflanzenseife schonend im basischen Bereich, siehe auch Blogbeitrag „Natural Soap 2. Teil - Wie reinigt Seife…“. Durch den basischen pH-Wert unserer festen natürlichen Shampoo Haarseifen stellt sich bei der Reinigung die äußere Schuppenschicht des Haarschaftes auf. Das kann man sich vorstellen wie bei einem Tannenzapfen der sich bei Feuchtigkeit öffnet und bei Trockenheit wieder schließt. Dadurch kann die Seife ihre Pflegeanteile und sekundären Pflanzenstoffe auch tief in den Haarschaft bringen ohne diesen zu verkleben oder zu belasten. Aus diesem Grund fassen sich die Haare zu Beginn etwas sperrig und leicht struppig an. Viele mögen jedoch den festen Griff und das Volumen das sie dadurch erhalten. Für Unerfahrene und vor allem Haarseifen-Beginner kann dies jedoch abschreckend sein und gerade bei längerem, coloriertem, blondiertem, gesträhntem oder lockigem Haar ist das durchkämmen etwas erschwert. Wie beim Tannenzapfen legt sich nach ca. 2 bis 3 Stunden die Schuppenschicht von selbst (je nach Haartyp kann dies etwas schneller gehen oder auch etwas länger dauern), jedoch kann man dies beschleunigen indem man sich nach der Haarwäsche eine sogenannte „Saure Rinse“ gönnt. Das ist im Endeffekt nichts anderes als eine Haarspülung im sauren pH-Bereich. Dadurch legt sich die Schuppenschicht des Haarschaftes sofort, der Haarschaft wird geschlossen und die Haare fassen sich gleich viel geschmeidiger an und lassen sich leicht durchkämmen.
 
Eine "Saure Rinse“ kann sich jeder Zuhause schnell und einfach (und supergünstig!) selbst machen. Einfach einen Esslöffel naturtrüben Bio-Apfelessig auf einen halben Liter Wasser dosieren (bei langem und/oder dickem Haar zwei Esslöffel auf einen Liter). Mehr Rezepte und Alternativen für Saure Rinsen und Spülungen findet ihr im 2. Teil von „Shampoo Haarseife - Wasch-Anleitung, Tipps & Tricks“.
 
Was ist darüber hinaus zu beachten?
Bei dem Wechsel von herkömmlichen Shampoos auf natürliche Shampoo Haarseife ist manchmal etwas Geduld und Durchhaltevermögen gefragt. Durch verschiedene Faktoren kann es etwas dauern bis man sich an die neue Haarstruktur, das etwas andere Reinigungsgefühl, die veränderte Handhabung und an das freie Gefühl auf der Kopfhaut gewöhnt hat.
 
Vor allem die Kopfhaut, ein Organ das bei der Entgiftung des Körpers und für den Stoffwechsel eine wichtige Rolle spielt, benötigt am längsten. Wurde sie durch herkömmliche Shampoos ausgelaugt und manipuliert dauert es seine Zeit bis sie merkt das sie durch die schonendere Reinigung nicht mehr soviel Fett und Sebum produzieren muss um sich und die Haare zu schützen. Aus diesem Grund haben wir auch speziell eine Haarseife für Anfänger entwickelt, die sehr nah an der Reinigungskraft der herkömmlichen Shampoos liegt und nur einen Superfat-Anteil von 3% hat um Kopfhaut und Haar langsam an Haarseifen zu gewöhnen: GREEN EARTH. 
 
GREEN EARTH enthält auch superfeine Heilerde um eine eventuell leicht verstörte Kopfhaut optimal zu beruhigen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
 
Je nachdem welches Shampoo und welche Art davon man wie lange verwendet hat, brauchen auch die Haare selbst Zeit um sich zu erholen und sich umzustellen. Sehr langes Haar, das mit Silikon oder filmbildenden Kunststoffanteilen gewaschen wurde, kann bis zu zwei Monate brauchen bis sich die verkleisterte Schicht nach und nach vom Haarschaft löst und regelrecht abblättert und die Kopfhaut wieder ihren Normalzustand erreicht hat. 
 
Erst wenn der Haarschaft von den ganzen künstlichen Schichten und dem Silikonfilm befreit wurde können die natürlichen Pflegestoffe und sekundären Pflanzenstoffe erst richtig wirken. Ihr könnt euch auf nach und nach schönere und natürlichere Haare freuen.
 
Auch fettende Kopfhaut kann etwas länger brauchen bis sie den natürlichen Normalzustand erreicht hat, da gerade sie durch Spezial-Shampoos oft jahrelang ausgelaugt wurde.
 
Folgende Faktoren können auch die Umstellung und die Handhabung von Haarseife beeinflussen:
 
Wasserhärte:
Bei sehr hartem Wasser kann sich durch die Nutzung von Naturseife und natürlicher Shampoo Haarseife durch den hohen Kalkanteil eine Ablagerung bilden die man auch „Kalkseife“ nennt. Jeder kennt bestimmt die stumpfe Schicht die sich im Waschbecken, in der Badewanne und in der Dusche bilden kann. Dies ist normalerweise ein Beweis wie effizient Naturseife reinigt und dass sie selbst "den Kalk aus dem Wasser waschen" kann. Während man Waschbecken und Co. mit einem schnellen Wisch Essigreiniger wieder zum Glänzen bringt, braucht man bei der Haarwäsche in Gebieten mit stark kalkhaltigem Wasser die Saure Rinse um diesen Ablagerungen im Haar vorzubeugen. Wir haben bei unseren speziellen Shampoo Haarseifen einen Schritt weiter gedacht und verwenden in deren Rezeptur zusätzlich das natürliche Salz der Zitronensäure (Sodium Citrat). Dieses milde Salz (das übrigens ein Lebensmittel ist und auch in der feinen Küche verwendet wird) enthärtet das Wasser und verhindert die Ablagerung von Kalkseife im Haar. Eine Spülung mit einer Sauren Rinse ist dadurch nicht unbedingt notwendig, kann jedoch bei bestimmten Haartypen (z.B. bei kräftigem, lockigem, langem oder sprödem Haar) und Gewohnheiten auch nicht schaden.
In unseren 3in1 Seifen, die auch zur Haarwäsche geeignet sind, ist KEIN Zitronensäure-Salz enthalten. Wenn man also nicht gerade unkompliziertes oder sehr kurzes Haar hat empfehlen wir deshalb nach der Haarwäsche mit diesen Seifen eine Saure Rinse.
 
Superfat:
Ausschlaggebend bei der Haarwäsche mit Haarseife ist deren Superfat-Anteil. Für den Anfang ist beispielsweise weniger mehr. Deshalb haben wir für Beginner extra die GREEN EARTH mit geringem 3% superfat konzipiert. Nach der Umgewöhnungszeit kann man dann schrittweise auf die Haarseifen mit höheren Superfat-Anteilen wechseln. Die ROSEMARY MINT mit 6% superfat liegt z.B. im Mittelbereich. Nach und nach werden auch mehr Shampoo Haarseifen mit unterschiedlichen Superfat-Anteilen erhältlich sein.
 
Conditioner:
Eine Alternative zur Sauren Rinse kann auch eine herkömmliche Spülung oder Conditioner sein. Hier ist jedoch zu beachten, dass diese meist auch Silikone oder Filmbildner enthalten und je nach Pflegegrad der Shampoo Haarseife auch too much Pflege sein kann. Die Meisten kommen jedoch sowieso ohne Nachbehandlung nach der Haarwäsche zurecht.
 
Jetzt kommen wir zum Ende des 1. Teils dieses sehr umfangreichen Themas. Zur besseren Übersicht findet ihr die Anleitung zur Haarwäsche, sowie diverse Tipps und Tricks in einem separaten 2. Teil (<- hier klicken).
 
Bei Fragen schreibt mir gerne in den Kommentaren.
 
Baba,
Marc-Simon

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